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Suchtexperten warnen vor Erfrischungspulver
Kinderkoks: High mit Himalaya
Seit einigen Tagen wird das neue Nasen-Erfrischungspulver "Himalaya" auch in Göttingen verkauft. Das tabakfreie Pulver gibt es in den Geschmacksrichtungen "Zitrone" und "Erdbeere" an Tankstellen und in Tabakläden zu kaufen. Suchtexperten warnen vor diesem so genannten Kinderkoks. Das Pulver beinhalte zwar keine gefährlichen Stoffe, sei aber bestens geeignet, die Hemmschwelle für den Konsum von Suchtmitteln vor allem bei Kindern und Jugendlichen zu senken, so Markus Lingemann, Diplom-Sozialarbeiter am Drogenberatungszentrum Göttingen.
(Göttingen / dame / swab) Jonas (13), Daniel (13) und André (14) sitzen wie immer auf dem Heimweg von der Schule an der Bushaltestelle. Ein beliebter Treffpunkt für alle Schulkinder im Süden Göttingens. Daniel holt eine knallgelbe Schachtel aus der Tasche und streut sich das Pulver auf den Handrücken. Die kichernden Mädchen ein paar Meter weiter gucken neugierig, dann zieht Daniel die gelben Körner durch seine Nase. "Echt cool", reicht er die Schachtel mit der Aufschrift "Himalaya" an seine Kumpels weiter. Die lassen sich nicht zweimal bitten: "Das ist ja richtig erfrischend", pflichtet André bei.
Das Nasen-Pulver "Himalaya" wird von der Firma Pöschl vertrieben. Und genau diese Firma ist Weltmarktführer in Sachen Schnupftabak. Da liegt der Verdacht nahe, dass mit "Himalaya" die Kunden von Morgen auf den Genuss von Schnupftabak vorbereitet werden sollen. "Das ist sicherlich der falsche Weg, so wird das Schnupfen doch hoffähig gemacht", kritisiert Göttingens Sozialdezernentin Dagmar Schlapeit-Beck. Die Substanzen Milchzucker, Traubenzucker, Reisstärke, Pflanzenextrakte, Meersalz, Menthol, Aromen und Vitamin C seien zwar harmlos, dennoch könne es zu schädlichen Reizungen der Schleimhäute kommen.
Dem pflichtet auch Dr. Susanne Weber vom Fachbereich Gesundheitsamt für Stadt und Landkreis Göttingen bei: "Das unglaubliche an dieser Sache ist doch, dass Kinder dazu bewegt werden sollen, mit dem Schnupfen anzufangen.Und dann bleibt die Frage: Was werden diese Kinder später als Erwachsene statt des Pulvers nehmen?" Das Menthol werde vermutlich sogar erfrischend auf die jungen Konsumenten wirken, dennoch müsse vor gesundheitsschädigenden Reizungen der Nasenschleimhäute gewarnt werden.
Sozialtherapeut Markus Lingemann kritisiert: "Allein die Tatsache, dass das Pulver durch die Nase inhaliert wird, ist doch schon eine erste Ebnung für einen späteren Suchtkonsum. Es kann doch nicht sinnvoll sein, dass schon den Jüngsten dieses Ritual geläufig ist." In einem sind sich die Suchtexperten einig: Händler sollten "Himalaya" nicht an Kinder und Jugendliche verkaufen. Die Stadt Bremen ist schon einen Schritt weiter: Die Gesundheitssenatorin der Hansestadt lässt derzeit juristisch prüfen, ob man die Abgabe an Kinder unter 16 Jahren verbieten kann...
