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Große Arbeitgeber in der Krise
3000 Südniedersachsen in Kurzarbeit
Die Wirtschaftskrise sorgt immer weiter für neue Schlagzeilen, die Politiker rund um den Globus kommen mit dem Verabschieden von Rettungspaketen schon gar nicht mehr nach – und sie geht auch nicht spurlos an Südniedersachsen vorbei. Alle großen Arbeitgeber haben aber entsprechende Maßnahmen eingeleitet. Bis dato mussten bei den großen Unternehmen der Region noch keine Arbeitsplätze abgebaut werden. Der ExtraTiP gibt einen Überblick, wo und wie die Krise ihre Spuren hinterlässt und wie es in der näheren Zukunft aussehen könnte. Ein langer Atem ist in jedem Fall gefragt.
In Northeim wird bei ContiTech schon kurz gearbeitet. „Von den 1700 Mitarbeitern sind aktuell 500 von Kurzarbeit betroffen“, so ContiTech-Sprecher Mario Töpfer. „Diese arbeiten überwiegend in Bereichen, die Produkte für die Automobilbranche herstellen.“ Die Betroffenen arbeiten ein bis zwei Tage pro Woche weniger. „Wir rechnen mit einer ganz leichten Zunahme der Kurzarbeit, schauen aber von Monat zu Monat. Kündigungen sind derzeit bei uns kein Thema“, so Töpfer.
Kurzarbeit gibt es bei Sartorius in der Sparte Mechatronik. „Wir haben zurzeit 650 Mitarbeiter, die ihre Arbeit um 20 Prozent reduzieren müssen“, so Unternehmenssprecherin Petra Kirchhoff. „Wie es weiter gehen wird, das wird immer von Monat zu Monat entschieden.“ Die Sparte Biotechnologie im Sartorius-Konzern ist nicht betroffen. Dagegen wird in der Verwaltungsgesellschaft des Konzerns kürzer gearbeitet. 160 Personen sind hier betroffen, sie müssen seit Anfang Februar elf Prozent weniger arbeiten. Wenn in der Mechatronik weniger verarbeitet wird, hat das hier Auswirkungen. „Stellenstreichungen sind im Konzern aber aktuell nicht geplant“, so Kirchhoff.
„Wir merken die Krise deutlich“, so Peguform-Werkleiter Jörg Paliot. Die Stückzahlen sind zwischen 20 und 30 Prozent reduziert worden. Von den 315 Mitarbeitern arbeiten 200 kurz. Einen Tag pro Woche arbeiten sie weniger. Paliot merkt beim Auftragseingang aber schon die Abwrackprämie. „Die erhöhte Nachfrage von neuen Opel-Kleinwagen spüren wir deutlich“, so der Werkleiter. Ein Silberstreif am Horizont? „Aktuell ist es schwierig, über den Monat hinaus zu planen!“, so Paliot. Er schätzt die erste Hälfte des Jahres als sehr schwierig ein. „Dann wird es hoffentlich bergauf gehen.“
Auch das Fertigungsmesstechnik-Unternehmen Mahr ist betroffen. „Mahr wird ab März in 20 Prozent Kurzarbeit gehen“, so Eckhard Fangmeier, Leiter der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. „Das bedeutet für den Mitarbeiter einen Tag pro Woche. Ziel des Unternehmens ist es, unsere qualifizierten Mitarbeiter an Bord zu halten und auf die zurückgegangene Auftragslage zu reagieren.“ Optimistisch blickt er in die Zukunft: „Wir erwarten, dass zum zweiten Halbjahr hin die Talsohle durchschritten wird.“
Sorgenfalten gibt es auch bei Novelis, im Göttinger Werk wurden in der Abteilung Lithographie in Druckplatten im Dezember die Schichtguthaben abgebaut und dann ab 1. Januar kurz gearbeitet. Betroffen sind davon 56 Mitarbeiter. In einem weiteren Bereich, dem der Industrieprodukte, ist der Auftragseingang aktuell gering. Ab 1. März wird es auch hier Kurzarbeit geben, zudem wird diese Abteilung in diesem Monat für eine Woche Werksferien machen, berichtet Werkleiter Stefan Erdmann. „Ich glaube, dass die Auftragslage noch für ein halbes Jahr schwach sein wird, wir sind im freien Fall. Ab August gibt es eine Erholung, einen Aufschwung wird es frühestens Anfang 2010 geben“, so Erdmann. Betriebsbedingte Kündigungen soll es in seinem Unternehmen aber vorerst nicht geben.
In Adelebsen ist das Klausner-Werk mit 250 Mitarbeitern der größte Arbeitgeber. „Aufgrund der international weiter sinkenden Nachfrage nach Schnittholz und damit einhergehenden fallenden Verkaufspreisen ist die deutsche Holzindustrie gezwungen, Kapazitäten zurückzufahren und Mengen aus dem Markt zu nehmen“, so Konzernsprecherin Anne Leibold. „Klausner hat bereits auf die Krise reagiert: An den Standorten Wismar und Landsberg ist bereits für sechs Monate Kurzarbeit angemeldet. Auch für die anderen Standorte des Unternehmens kann nicht ausgeschlossen werden, dass in den nächsten Monaten Kurzarbeit angemeldet werden muss. Durch die Kurzarbeit sollen betriebsbedingte Kündigungen vermieden werden.“
Aufgrund der anhaltenden Krise in der Automobil- und Automobilzuliefererindustrie wird für Teilbereiche der Otto Bock Kunststoff Kurzarbeit unvermeidlich. Bisher konnte der Nachfragerückgang über Gleitzeit- und Urlaubsregelung abgefedert werden. Betroffen ist der Standort Duderstadt mit 219 Beschäftigten. Ab dem 1. März wird die Arbeitszeit bei Otto Bock Kunststoff im Durchschnitt um 25 Prozent verringert. Um die Kundenaufträge termingerecht zu bearbeiten, wird aber weiterhin fünf Tage pro Woche produziert. In enger Absprache mit dem Arbeitsamt Duderstadt soll höchstmögliche Flexibilität erhalten bleiben. „Unser primäres Ziel in diesen bewegten wirtschaftlichen Zeiten ist die Just in time-Belieferung unserer Kunden und damit die dauerhafte Sicherung der Arbeitsplätze bei Otto Bock Kunststoff. In den nächsten Monaten werden wir mit klarem Blick nach vorne den betroffenen Bereich durch die momentane Situation navigieren“, ist Professor Hans Georg Näder optimistisch. Für die Firmengruppe Otto Bock geht der Familienunternehmer weiterhin von einem Wachstum im Geschäftsjahr 2009 aus.
Anders als für die Zulieferer und Produzenten stellt sich die Situation für das Göttinger IT-Unternehmen sycor dar, seine Dienst werden weiterhin benötigt und es dauert etwas länger, bis die Krise auch dieses Unternehmen betreffen wird. „Wir haben uns natürlich schon Gedanken gemacht und wollen alles tun, um betriebsbedingte Kündigungen zu vermeiden“, so Sprecher Sven Frenzel. Für Kurzarbeit gäbe es derzeit keinen Grund. „Wir haben mit Beginn der Krise eine Projekt „Umgang mit der Krise“ eingerichtet, um notwendigenfalls schnell Maßnahmen ergreifen zu können und fühlen uns gut gerüstet.“
