Freitag, 30. Juli 2010

- letzte Aktualisierung: 30.07.2010 um 02:21 Uhr


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Gefährdete und gefährliche Radfahrer

42 schwer verletzte Radfahrer

Radfahrer in der Fußgängerzone: Manche halten sich einfach nicht an die Spielregeln. Foto: Wenzel

Radfahrer in der Fußgängerzone: Manche halten sich einfach nicht an die Spielregeln. Foto: Wenzel

Insgesamt konnte Polizeipräsident Hans Wargel „erfreuliche Zahlen“ bei der Präsentation der Verkehrsunfallstatistik vermelden. Weniger Unfälle, weniger Verletzte. Geblieben aber ist dagegen die hohe Zahl von verletzten Radfahrern im Stadtgebiet. Hier müsse die Polizei immer wieder viele Verstöße gegen Verkehrsregeln und auch Leichtsinn beobachten.

(Göttingen / star) „Seit Jahren ist festzustellen, dass im Stadtgebiet etwa 30 Prozent aller bei Verkehrsunfällen verletzten Personen Radfahrer sind“, so der Leiter der Polizeiinspektion, Thomas Rath. 2008 waren es 32,5 Prozent. Die Zahl der schwer verletzten Radfahrer stieg von 29 (2007) auf 42! Oft sind es schwere Kopfverletzungen, die die Radler davontragen. Rath: „Viele fahren ohne Helm, ohne Licht, ohne Reflektoren und mit dunkler Kleidung oder auf der falschen Radwegseite.“
Dabei nehmen die Radfahrer auch als Verursacher von Verkehrsunfällen eine große Rolle ein. Ganz so einfach sei die Frage der Verursachung von Unfällen mit Radfahrern aber nicht zu klären, berichtet Wolfgang Schrader, Leiter des Sachbereichs Verkehr. „Ein Radfahrer, der auf der falschen Straßenseite fährt, verliert nicht sein Vorrecht. Kommt es zum Unfall, ist deshalb der Autofahrer Hauptverursacher. Der Radler hat aber durchaus dazu beigetragen, dass er vom Autofahrer übersehen wird. Wenn es dann noch dunkel war und der Radler dunkel gekleidet und ohne Licht unterwegs war... dann hatte der Autofahrer eigentlich kaum eine Chance, den Unfall zu vermeiden“, berichtet Schrader aus der Praxis.
Aber es gibt nicht nur Unfälle zwischen Auto- und Radfahrern, auch zahlreiche Unfälle zwischen Radfahrern ud Fußgängern wurden registriert. Vor allem im Fußgängerzonenbereich (der zum Teil von Radlern befahren werden darf) kommt es dazu. „Das Problem ist, dass Radverkehr lautloser Verkehr ist. Das ist einerseits sehr begrüßenswert, der dröhnende Lkw hat aber den Vorteil, dass man ihn auch von hinten herankommen hört. Den Radfahrer nicht. Wenn dann ein Fußgänger abrupt die Richtung wechselt – etwa weil er einen Bekannten erspäht oder etwas Interessantes im Schaufenster entdeckt hat – kommt es zum Zusammenstoß“, so Schrader. Und die sind nicht zu unterschätzen: „Vor allem ältere Fußgänger können sich schnell schwere Brüche zuziehen. Und auch die Radfahrer können sich schwer verletzen, wenn sie zum Beispiel über den Lenker fallen und unglücklich mit dem Kopf aufkommen.“
Weil sich ein bestimmter Prozentsatz der Radler nicht an die Regeln hält (und zum Beispiel auch dort flott fährt, wo es verboten ist...), hat die Polizei in der Vergangenheit zahlreiche Kontrollaktionen in der Innenstadt durchgeführt. „Viele der angehaltenen Radfahrer sind sich keiner Schuld bewusst, finden, dass die Polizei doch wichtigeres zu tun hätte. Zum Beispiel Terroristen jagen. Viele Menschen sprechen uns aber auch an und freuen sich über die Kontrollen, weil sie genervt sind von den vielen schwarzen Schafen unter den Radfahrern. Und es geht ja nicht nur ums genervt sein, sondern um Menschen, die verletzt werden“, berichtete Thomas Rath. „Mangelnde Normenakzeptanz durch Radfahrer“ haben es die Experten beim Verkehrsgerichtstag 2009 in Goslar genannt.
Schrader verspricht sich mehr Normenkonformität dadurch, dass sich auch die Radfahrer seit dem 1. Februar auf höhere Bußgelder gefasst machen müssen. Wer zum Beispiel eine rote Ampel nicht beachtet, muss nicht nur mit einem saftigen Bußgeld rechnen, sondern bekommt jetzt auch einen Punkt in Flensburg. „Eine rote Ampel kostet Radfahrer so um die 100 Euro plus Gebühren, vor allem für Studenten ist das eine ganz schöne Stange Geld“, so Schrader. Der Unfallexperte würde aber viel lieber auf Bußgelder verzichten. Sein Rezept für weniger Unfälle klingt ganz einfach, ist es aber offensichtlich nicht: „Gegenseitige Rücksichtnahme. Mit den Fehlern des anderen rechnen und auch mal nachgeben. In Holland funktioniert das zum Beispiel hervorragend. Da bremsen die Autofahrer auch mal ab, obwohl sie Vorfahrt haben. Und es setzen sich lange nicht so viele Radfahrer wie selbstverständlich über gewisse Regeln hinweg“, weiß der Polizist aus eigener Erfahrung. Einen Fahrradhelm hält Schrader für unerlässlich: „Viele tragen den Helm beim Radsport, aber nicht, wenn sie durch die City radeln. Dabei ist gerade hier ein Unfall viel wahrscheinlicher!“ Für Eltern gelte: Vorbild sein und auch Helm tragen!
Eins liegt Wolfgang Schrader noch am Herzen: „Wir reden hier über einen Teil der Radfahrer, der sich einfach nicht an die Spielregeln hält. Es gibt aber auch sehr viele Radfahrer, die das tun und sich selber über die anderen ärgern!“

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