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Bauarbeiten dauern länger und die Abstimmung fehlt
Dauer-Baustelle gefährdet Arbeitsplätze
Die Baustellen in und um Göttingen herum bieten immer wieder reichlich Gesprächsstoff und bereiten den Anrainern auch wirtschaftliche Sorgen. Warum dauert es manchmal so lange, bis die Arbeiten fertig sind? Eine der größeren Baustellen in der Region ist die am Hoffmanns Hof auf der B27, oberhalb des Weender Krankenhauses. Hier wird nicht nur die Bundesstraße erneuert, sondern es muss auch noch die Lutter in ein neues Bett gepackt werden. Zudem werden die Zufahrt nach Nikolausberg und Richtung Innenstadt neu gemacht.
„Wir haben erst unmittelbar mit Aufstellen der Bauschilder von der Baustelle erfahren und dann wurde auch noch die Zufahrt zur B 27 über den Nikolausberger Weg gesperrt. Das bedeutet erhebliche Einbußen für uns“, so Getränkemarkt-Inhaber Ralf Gerke. Unter Umständen könne es passieren, dass sogar ein Mitarbeiter entlassen werden muss. Nicht viel anders ist das beim Wein-Depot. „Mich ärgert ganz besonders die Informationspolitik“, so der stellvertretende Depotleiter Thomas Fischer. „Hätte man uns rechtzeitig Bescheid gesagt, dann hätten wir wenigstens unsere Stammkunden benachrichtigen können.“ Denn auch wenn’s derzeit schwierig ist: Zu erreichen sind die beiden Geschäfte schon. Zum einen eben über den Nikolausberger Weg. Doch das ist derzeit beispielsweise für wichtige Kunden aus Nikolausberg sehr umständlich. Sie müssen einen ordentlichen Umweg in Kauf nehmen – und nehmen deshalb von einem Einkauf am Hoffmannshof häufig Abstand. Und nach langem Ringen ist es den Geschäftsleuten gelungen, dass wenigstens eine Öffnung von der B 27 ermöglicht wurde – aber das erkennt und weiß kaum jemand.

Besonders ärgerlich für Gerke ist die Tatsache, dass er einen Monat bevor die Bautätigkeiten begannen, den Getränke-Markt übernommen hat. „Wir waren gerade dabei, schwarze Zahlen zu schreiben, davon sind wir jetzt weit entfernt.“ Doch den Geschäftsleuten sind, wie es scheint, die Hände gebunden, sie müssen den immer länger andauernden Bautätigkeiten weiter hilflos zusehen. „Wir hatten uns darauf eingestellt, dass der 1. Bauabschnitt bis März diesen Jahres fertiggestellt ist“, so Gerke. Doch nun ist schon Oktober und die Bautätigkeit geht mit unverminderter Heftigkeit weiter.
Für den Bau ist die Niedersächsische Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr, Geschäftsbereich Gandersheim, zuständig. „Leider kam es zu einer erheblichen Verzögerung. Das lag zum einen daran, dass es einige Schwierigkeiten beim Grunderwerb gab und dass dort Versorgungsleitungen von Kabel Deutschland und der Universität im Boden lagen“, berichtet der Fachbereichsleiter Bau und Betrieb, Sebastian Post. Doch er sieht Licht am Horizont. „Der Brückenbau über die Lutter ist weitestgehend abgeschlossen, wir hoffen, dass bis zum 17. Oktober die Straße in Richtung Nikolausberg wieder geöffnet werden kann“, so Post. „Und Anfang November wird auch die Straße in Richtung City wieder befahrbar sein.“ Bis Ende des Jahres soll dann der Asphalt auch auf die B27 aufgebracht worden sein, vorausgesetzt dass es keine Wetterkapriolen gebe, so Post. Mit einer endgültigen Fertigstellung des ersten Bauabschnitts sei aber erst im Frühjahr zu rechnen. Und dann folgt der zweite...!
Und wie verhält es sich mit der Benachrichtigung der Anrainer? Die Stadt Göttingen sei für diesen Bereich die zuständige Verkehrsbehörde, berichtet Post. Gandersheim mache Vorschläge zur Verkehrsführung, natürlich mit Göttingen abgestimmt. Daraus resultiere dann eine verkehrsbehördliche Anordnung, die in der Regel von der Baufirma vor Ort umgesetzt wird. „Wir sind natürlich gehalten, die wirtschaftlichen Beeinträchtigungen so gering wie möglich zu halten“, so Post. So wurden, um den Verkehr nicht noch weiter zu beeinträchtigen, beispielsweise nachts Bäume gefällt und es stünden immer zwei Fahrspuren zur Verfügung, damit der Pendlerfluss aufrecht erhalten werden kann.
Wie es aber scheint, ist jede Behörde davon ausgegangen, dass die andere die Information übernimmt, denn: „Zur Klarstellung vorweg: Die angesprochene Baustelle ist keine städtische, sondern eine der Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr (Geschäftsbereich Gandersheim)“ so Stadtsprecher Detlef Johannson. „Ob die Landesbehörde unseren Standards entsprechend informiert und kommuniziert, kann ich nicht beurteilen.“
Und grundsätzlich: „Wir legen bei unseren Tiefbaumaßnahmen Wert auf frühzeitige und umfassende Information. Die erfolgt nicht nur durch Medien- und Internetveröffentlichungen, sondern durch direkte Anschreiben oder Postwurfsendungen für Anlieger, in vielen Fällen sogar durch Bürgerinformationsveranstaltungen. Wir informieren über die planerischen Absichten, über den Bauablauf. Wir benennen konkret Ansprechpartner, falls es im Bauvorlauf Fragen oder Beschwerden gibt. Anlieger sind eingeladen, an den wöchentlichen Baubesprechungen teilzunehmen.“
Es gelte der feste Grundsatz: Jedes Grundstück muss zu jeder Zeit zugänglich sein, so Johannson. Natürlich bedeute trotzdem jede Baustelle in der Regel Beeinträchtigungen und Behinderungen, oft wohl auch Umsatzeinbußen. Und obwohl das so sei, habe er keinerlei Hinweise auf mögliche „Ausgleichszahlungen“ in den letzten 20 bis 25 Jahren. Tiefbaustellen seien aus vielerlei Gründen nötig und unvermeidlich, so Johannson: Für die Infrastruktur, im Interesse von Mobilität oder mehr Verkehrssicherheit, zur Ver- und Entsorgung, zur Qualitätsverbesserung. Schon aus Kostengründen habe jeder Bauherr wie die Stadt ein unmittelbares Interesse an kurzen Bauzeiten. „Das gelingt nicht immer, aber immer öfter“, so Johannson. „Bestes aktuelles Beispiel: Theaterstraße West.“
