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Etwa 1400 Demonstranten beim Gedenkmarsch
Gedenken an Conny
Wieder einmal ein Großaufgebot der Polizei in Göttingen. Der Anlass war ein trauriger. Am kommenden Dienstag jährt sich der Todestag von Conny W.. Etwa 1400 Demonstranten der linken Szene aus dem gesamten Bundesgebiet waren zum Gedenkmarsch nach Göttingen gekommen.
Zur Erinnerung:
Am Abend des 17. November 1989 kam es vor einer Kneipe in der Göttinger Innenstadt zu Auseinandersetzungen zwischen Antifaschisten und rechtsextremen Skinheads. Dieser Vorfall rief sowohl die Polizei als auch weitere Angehörige der linken Szene auf den Plan. Die 24-jährige Studentin Conny W. lief auf der Flucht vor einem zivilen Streifenkommando der Polizei auf die viel befahrene Weender Landstraße in Höhe des Idunazentrums. Dort wurde sie von einem Auto erfasst, sie starb noch an der Unfallstelle. Für reichlich Diskussionsstoff sorgte damals nicht nur der Polizeieinsatz, sondern auch der aufgefangene Funkspruch eines Einsatzleiters: „Wenn genug Leute da sind, sollten wir sie ruhig mal plattmachen.” Am 25. November 1989 demonstrierten 18.000 Menschen in Göttingen gegen den Polizeieinsatz und seine Folgen, am Abend kam es in der Bürgerstraße zu gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und der Polizei.
Schon am Samstag gegen 14.30 Uhr hatten sich beim Roten Kreuz in der Zimmermannstraße Retter und ihre Fahrzeuge versammelt – Bereitschaft für die Demonstration. Die sollte um 15 Uhr beginnen, doch es verzögerte sich etwas. „Wir haben Marktbeschickern empfohlen, ihre Stände vorher abzubauen“, so Stadtrat Ludwig Hecke, der für die Stadt Göttingen im Einsatz war. Er beobachtete, ebenso wie SPD-Ratsherr Tom Wedrins und Ordnungsamtschef Manfred Kuhlmann den Aufmarsch – sowohl von Polizei als auch der vorwiegend in schwarz gekleideten Demonstranten.
In der Weender Straße stehen Bereitschaftspolizisten – und in allen anderen Straßen auch. Um 15.25 Uhr versucht der Zug in Richtung Rote Straße zu laufen. Durchgang verboten! Diskussion im Polizeiteam, Polizeidirektor Gerd Hujahn ist vor Ort Auge und Ohr für Einsatzleiter Thomas Rath. Mehrere Hundertschaften aus ganz Niedersachsen waren im Einsatz. „
Die Versammlung wurde nicht genehmigt, die Polizei erlaubt einen Weitermarsch in Richtung Mahnmal“, ist aus dem Lautsprecherwagen der Polizei zu hören.
Um 15.28 Uhr wird ein Leuchtkörper abgeschossen, wenig später fliegt eine Toilettenpapierrolle. Die Göttinger sind demonstrationserprobt, lassen sich beim Shopping nicht aufhalten.
„Ein unangemeldeter, legitimer Protest, die Demo bleibt unangemeldet“, hört man aus dem Lautsprecherwagen des Zuges. Doch es kommt zu keiner Eskalation, weil endlich der Weg in Richtung Iduna Zentrum frei ist. „Ich wünsche Ihnen einen guten Weg“, tönt es aus dem Polizeilautsprecherwagen.
Flankiert von Bereitschaftspolizei geht’s durch das Nadelöhr Weender Straße. Zu Rangeleien kommt es nicht, dafür zu Problemen mit dem Lautsprecherfahrzeug in Zug. Die werden gelöst, auf der Höhe des Carré gibt’s eine kurze Kundgebung.
16 Uhr: Überraschung – von hinten kommt eine schwarz gekleidete Nachhut, gefolgt von Bereitschaftspolizei. Polizeipräsident Hans Wargel beobachtet das Geschehen vom Ende der Demonstration, tigert unruhig auf und ab.
16.05 Uhr geht es weiter Richtung Iduna-Zentrum. „Bitte gehen sie auf der linken Straßenseite“, lautet die Anordnung der Polizei.
Vor dem Mahnmal bleibt der Zug um 16.23 Uhr stehen, es kommt zu Rangeleien, ein höchstens 16-Jähriger wird von Spezialkräften aus dem Zug herausgeholt und abgeführt. Auch Oberbürgermeister Wolfgang Meyer ist nun vor Ort und vom Bahnhof kommen zwei Wasserwerfer und ein gepanzertes Fahrzeug. Die Wasserwerfer positionieren sich so, dass der Weg in die Innenstadt verstellt ist.
Nach kurzem Aufenthalt zieht der Zug in Richtung Bahnhof, die Wasserwerfer ziehen nach. Der Universitätsvizepräsident Joachim Münch und Gebäudemanagementleiter Rainer Bolli geben um 17.05 Uhr Entwarnung für die Unigebäude. Eine Alumni-Veranstaltung im ZHG kann ungestört weitergehen.
Am Groner Tor gibt’s für den Zug nur eine Richtung, geradeaus zum Juzi, in der Kasseler Landstraße wartet eine Hundestaffel, Richtung Innenstadt zwei Reihen Bereitschaftspolizei.
Noch nie hat man in Göttingen so viele korrekt beleuchtete Radfahrer gesehen!
Gegen 17.40 Uhr nähert sich der Zug dem Juzi, passen da die etwa 1400 Demonstranten rein? Im nebenan liegenden Haus der Sozialdemokraten gibt’s im Forum eine Privatparty. Ob das gut geht?
Für 19 Uhr war Essen im Juzi geplant, das gibt es jetzt früher. 17.48 Uhr: Die Demonstranten werden freundlich aber bestimmt auf den Juzi-Parkplatz geleitet. „Wir werden uns die Straße zurückholen“, so der letzte Aufruf aus dem Lautsprecherwagen. Die Polizei hat das Gebiet abgeriegelt.
Und Wolfgang Meyer ist fürs erste beruhigt. „Dann kann ich ja jetzt nach Hause gehen!“
Er schon, doch für die Polizei wurde es eine ziemlich lange Nacht…
Am Abend des 17. November 1989 kam es vor einer Kneipe in der Göttinger Innenstadt zu Auseinandersetzungen zwischen Antifaschisten und rechtsextremen Skinheads. Dieser Vorfall rief sowohl die Polizei als auch weitere Angehörige der linken Szene auf den Plan. Die 24-jährige Studentin Conny W. lief auf der Flucht vor einem zivilen Streifenkommando der Polizei auf die viel befahrene Weender Landstraße in Höhe des Idunazentrums. Dort wurde sie von einem Auto erfasst, sie starb noch an der Unfallstelle. Für reichlich Diskussionsstoff sorgte damals nicht nur der Polizeieinsatz, sondern auch der aufgefangene Funkspruch eines Einsatzleiters: „Wenn genug Leute da sind, sollten wir sie ruhig mal plattmachen.” Am 25. November 1989 demonstrierten 18.000 Menschen in Göttingen gegen den Polizeieinsatz und seine Folgen, am Abend kam es in der Bürgerstraße zu gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und der Polizei.
Schon am Samstag gegen 14.30 Uhr hatten sich beim Roten Kreuz in der Zimmermannstraße Retter und ihre Fahrzeuge versammelt – Bereitschaft für die Demonstration. Die sollte um 15 Uhr beginnen, doch es verzögerte sich etwas. „Wir haben Marktbeschickern empfohlen, ihre Stände vorher abzubauen“, so Stadtrat Ludwig Hecke, der für die Stadt Göttingen im Einsatz war. Er beobachtete, ebenso wie SPD-Ratsherr Tom Wedrins und Ordnungsamtschef Manfred Kuhlmann den Aufmarsch – sowohl von Polizei als auch der vorwiegend in schwarz gekleideten Demonstranten.
In der Weender Straße stehen Bereitschaftspolizisten – und in allen anderen Straßen auch. Um 15.25 Uhr versucht der Zug in Richtung Rote Straße zu laufen. Durchgang verboten! Diskussion im Polizeiteam, Polizeidirektor Gerd Hujahn ist vor Ort Auge und Ohr für Einsatzleiter Thomas Rath. Mehrere Hundertschaften aus ganz Niedersachsen waren im Einsatz. „
Die Versammlung wurde nicht genehmigt, die Polizei erlaubt einen Weitermarsch in Richtung Mahnmal“, ist aus dem Lautsprecherwagen der Polizei zu hören.
Um 15.28 Uhr wird ein Leuchtkörper abgeschossen, wenig später fliegt eine Toilettenpapierrolle. Die Göttinger sind demonstrationserprobt, lassen sich beim Shopping nicht aufhalten.
„Ein unangemeldeter, legitimer Protest, die Demo bleibt unangemeldet“, hört man aus dem Lautsprecherwagen des Zuges. Doch es kommt zu keiner Eskalation, weil endlich der Weg in Richtung Iduna Zentrum frei ist. „Ich wünsche Ihnen einen guten Weg“, tönt es aus dem Polizeilautsprecherwagen.
Flankiert von Bereitschaftspolizei geht’s durch das Nadelöhr Weender Straße. Zu Rangeleien kommt es nicht, dafür zu Problemen mit dem Lautsprecherfahrzeug in Zug. Die werden gelöst, auf der Höhe des Carré gibt’s eine kurze Kundgebung.
16 Uhr: Überraschung – von hinten kommt eine schwarz gekleidete Nachhut, gefolgt von Bereitschaftspolizei. Polizeipräsident Hans Wargel beobachtet das Geschehen vom Ende der Demonstration, tigert unruhig auf und ab.
16.05 Uhr geht es weiter Richtung Iduna-Zentrum. „Bitte gehen sie auf der linken Straßenseite“, lautet die Anordnung der Polizei.
Vor dem Mahnmal bleibt der Zug um 16.23 Uhr stehen, es kommt zu Rangeleien, ein höchstens 16-Jähriger wird von Spezialkräften aus dem Zug herausgeholt und abgeführt. Auch Oberbürgermeister Wolfgang Meyer ist nun vor Ort und vom Bahnhof kommen zwei Wasserwerfer und ein gepanzertes Fahrzeug. Die Wasserwerfer positionieren sich so, dass der Weg in die Innenstadt verstellt ist.
Nach kurzem Aufenthalt zieht der Zug in Richtung Bahnhof, die Wasserwerfer ziehen nach. Der Universitätsvizepräsident Joachim Münch und Gebäudemanagementleiter Rainer Bolli geben um 17.05 Uhr Entwarnung für die Unigebäude. Eine Alumni-Veranstaltung im ZHG kann ungestört weitergehen.
Am Groner Tor gibt’s für den Zug nur eine Richtung, geradeaus zum Juzi, in der Kasseler Landstraße wartet eine Hundestaffel, Richtung Innenstadt zwei Reihen Bereitschaftspolizei.
Noch nie hat man in Göttingen so viele korrekt beleuchtete Radfahrer gesehen!
Gegen 17.40 Uhr nähert sich der Zug dem Juzi, passen da die etwa 1400 Demonstranten rein? Im nebenan liegenden Haus der Sozialdemokraten gibt’s im Forum eine Privatparty. Ob das gut geht?
Für 19 Uhr war Essen im Juzi geplant, das gibt es jetzt früher. 17.48 Uhr: Die Demonstranten werden freundlich aber bestimmt auf den Juzi-Parkplatz geleitet. „Wir werden uns die Straße zurückholen“, so der letzte Aufruf aus dem Lautsprecherwagen. Die Polizei hat das Gebiet abgeriegelt.
Und Wolfgang Meyer ist fürs erste beruhigt. „Dann kann ich ja jetzt nach Hause gehen!“
Er schon, doch für die Polizei wurde es eine ziemlich lange Nacht…

