Freitag, 30. Juli 2010

- letzte Aktualisierung: 30.07.2010 um 02:21 Uhr


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Göttinger Innenstadt

Radler: Gefangen im Regel-Wirrwarr!

Bei den vielen unterschiedlichen Regelungen in der Göttinger City haben es die Radler nicht leicht. Foto: irisblende.de

Bei den vielen unterschiedlichen Regelungen in der Göttinger City haben es die Radler nicht leicht. Foto: irisblende.de

„Radfahrer: Gefahr für sich und andere“ titelte der ExtraTiP im März. Es ging um die zahlreichen rücksichtslosen Radler in der Innenstadt, die nicht nur für viel Ärger bei Fußgängern und Autofahrern sorgen, sondern auch einige schwere Unfälle verursachen. Für den Artikel gab‘s viel Applaus von den Lesern (auch von Radlern, die sich selber über die schwarzen Schafe auf zwei Rädern ärgern), aber auch Beschwerden von Radfahrern über so einige Gegebenheiten, die ihnen das sichere Fahren schwer machen. Grund genug, bei Wolfgang Weber nachzufragen. Der ist Vorstandsmitglied beim Göttinger ADFC (Allgemeiner Deutscher Fahrrad Club).

(Göttingen / star) Im Kerngebiet der Göttinger Innenstadt sieht er vor allem ein Problem: Die für viele unklare Rechtslage. Welche Teile der Fußgängerzone dürfen von Radlern befahren werden? Welche Einbahnstraßen sind für sie gegen die Richtung freigegeben? Das herauszufinden und zu merken ist schon für die Radfahrer selbst schwierig, da fast jede Straße eine andere Regelung hat. Autofahrer und Fußgänger achten auf solche Feinheiten nicht, da sie für sie nicht gelten, ärgern sich aber oft über vermeintlich falsch fahrende Radfahrer – Konfliktpotential und Gefahr: „Gäbe es eine einheitliche Regelung, wüssten alle Verkehrsteilnehmer bescheid und die Autofahrer würden in den Einbahnstraßen mehr auf den Gegenverkehr durch Radfahrer achten“, so Wolfgang Weber. Er schlägt neben einheitlichen Regeln eine deutlichere Beschilderung vor, die dann von allen Verkehrsteilnehmern wahrgenommen wird.
Die Unsicherheiten gehen beim Thema Radwege weiter. „Es gibt Radwege, für die eine Benutzungspflicht besteht und solche, die man benutzen kann, aber nicht muss“, erklärt Wolfgang Weber. Benutzungspflicht besteht, wenn das Schild mit dem weißen Rad auf blauem Grund aufgestellt ist. Fußwege mit dem Zusatz „Radfahrer frei“ oder Radwege, die nur baulich als solche zu erkennen sind, müssen nicht benutzt werden. Das Problem: „Viele Radwege ohne Benutzungspflicht sind optisch hervorgehoben, oft weil für sie einmal eine Benutzungspflicht bestand. Autofahrer sehen aber nur: Da ist ein Radweg und der Radfahrer fährt trotzdem auf meiner Fahrbahn und ärgert sich“, berichtet Weber.
Und dann lässt so mancher am Lenkrad alle guten Manieren fahren: „Radfahrer werden dann nur noch als Verkehrshindernis gesehen, angehupt, beschimpft, extra eng überholt und sogar ausgebremst!“ - Das alles hat Weber schon selbst erlebt.
Warum aber benutzen Radfahrer die Radwege so ungerne, fragt man sich als Autofahrer und Fußgänger. Die so genannten Hochbordradwege seien durchaus gefährlich, so Weber. Sie sind zu eng und wer einem Hindernis ausweichen muss oder einen langsameren Radfahrer überholen möchte, der fällt schnell den Bordstein herunter auf die Fahrbahn. Hohes Gefahrenpotential für Radler bergen die Radwege auch an Kreuzungen: Durch Verschwenkungen der Wege in der Nähe von Ampeln kommt es schnell zu Kollisionen mit Fußgängern und Irritationen bei abbiegenden Autofahrern.
Überhaupt die Ampeln... „Die Grünphasen für Radfahrer sind viel kürzer als die der Autofahrer, dabei räumen wir Radfahrer Kreuzungen nicht viel langsamer als Autos, Lkw und Busse“, so Weber. Auch ein Grund, die „richtige“ Fahrbahn zu nutzen statt den Radweg mit viel weniger Grünzeit an der Kreuzung.
Eine Straße hat Göttingen, die gehört eigentlich den Radfahrern: Die Goßlerstraße! Aber auch hier bemängelt der ADFC eine zu mickrige Beschilderung: „Dass hier Radfahrer Vorfahrt haben, wird nicht jedem klar. Hier gibt es immer noch zu viel und auch zu schnellen Autoverkehr“, hat Weber beobachtet.
Ein Ärgernis für Radfahrer in der ganzen Innenstadt: Zu wenige Abstellmöglichkeiten! Wolfgang Weber: „Es gibt Bestrebungen, dass Fahrräder nur bis zum Busring kommen und dort abgestellt werden sollen. Das kann es aber nicht sein. Ständig werden mehr Parkplätze in der Nähe der Innenstadtgeschäfte gefordert. Parkplätze in Geschäftsnähe für Radfahrer sind mindestens ebenso wichtig.“ Radfahrer sind schließlich auch Kunden und mit dem Rad lässt sich (schiebend...) so manche sperrigere Ware bestens transportieren.
Viele radfahrende ExtraTiP-Leser hatten sich auch über den Lieferverkehr, enge Straßen mit Busverkehr und verkehrsbehindernd parkende Pkw in der City beschwert. Ihnen gibt Wolfgang Weber eines zu bedenken: „Man kann als Radfahrer nicht erwarten, mit Höchstgeschwindigkeit durch die City fahren zu können, auch wenn einige das versuchen. Es gilt, die Geschwindigkeit anzupassen und Rücksicht zu nehmen.“

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