Mittwoch, 29. Juni 2016

- letzte Aktualisierung: 28.06.2016 um 15:03 Uhr


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Klinikum: Eiertausch gegen Taubenkot

Tauben und Menschen sind begeistert

Horst Schönewald betreut die beiden Taubenwagen am Klinikum. 30 Prozent weniger Tauben sind der Erfolg seines Einsatzes!	Foto: Wenzel

Horst Schönewald betreut die beiden Taubenwagen am Klinikum. 30 Prozent weniger Tauben sind der Erfolg seines Einsatzes! Foto: Wenzel

Tauben in Göttingen – das ist wie in vielen Städten auch hier ein schwieriges und unendliches Thema. Endlich einmal gute Nachrichten gibt es von den Tauben, die dem Uniklinikum Schwierigkeiten machten. Zwei Taubenwagen stehen hier seit dem Frühjahr 2003 auf der Wiese in der Nähe des Osteingangs und dieses Projekt kann eine ausgesprochen erfolgreiche Bilanz vorzeigen! Und zwar so erfolgreich, dass das Konzept auch in der Göttinger Innenstadt angewendet werden soll.

(Göttingen / star) Das Problem: Die Tauben, die von Haus aus Felsentauben sind, fühlen sich einfach wohl auf und am Klinikum. Ihr Kot und auch ihre Parasiten stellen jedoch ein großes Problem für eine Klinik dar. Deshalb wird dafür gesorgt, dass das Federvieh umzieht: Die ausrangierten Bauwagen wurden so umgebaut, dass die Tauben hier nisten können. Außerdem werden sie gefüttert und täglich frisches Wasser gehört auch zum Service.
Ein Service, der gerne angenommen wird! „Das ganze läuft sehr gut, wir haben deutlich weniger Tauben auf dem Dach und Dreck und Kot haben sich entsprechend reduziert. Die betroffenen Mitarbeiter sind sehr angetan von der Arbeit in den Taubenwagen“, so der Pressesprecher des Klinikums, Stefan Weller.
Taube_2Großen Anteil am Erfolg des Projekts hat Horst Schönewald, der als Spezialreiniger schon lange im Klinikum arbeitet und sich der Betreuung der Wagen angenommen hat. Er bringt nicht nur Futter und Wasser, er reinigt die Wagen auch, bekämpft die Parasiten der Tauben und ganz wichtig: Ein Teil der Taubeneier wird durch Gipseier ersetzt. Schönewald: „Dabei tausche ich nie alle Eier aus, denn wenn der Nachwuchs ausbleibt, dann ziehen die Tauben weiter und das wollen wir ja nicht!“
Die Tiere sind inzwischen so an ihren „Servicemann“ gewöhnt, dass sie zum Teil auch, während er im Wagen arbeitet, ihre Nester nicht verlassen. Für sie sind die Wagen also ebenso ein Erfolg wie für die Menschen, die sich durch die Tauben belästigt fühlten: „Etwa 30 Prozent weniger Tauben haben wir jetzt“, so Schönewald. Der Erfolg hat sich herumgesprochen und es gibt sogar Anfragen von den Kliniken in Hannover, die auch ein Taubenproblem haben.
Erst einmal aber soll das erfolgreiche Projekt in die Göttinger City exportiert werden, denn hier sind die Tauben nach wie vor ein Problem. Und ihre Bekämpfung auch! Tierschützerin Anette Neugebauer (unter anderem für den NABU aktiv) kritisiert die bestehenden Taubenabwehrmaßnahmen, vor allem die Netze, die die Tauben am Landen hindern sollen: „Die Tauben versuchen es halt doch und wursteln sich meist irgendwie durch die Netze hindurch. Dabei verletzen sie sich zum Teil schwer. Fäden aus den Netzen wachsen in den Füßen ein, die dann regelrecht verfaulen.“ Zahlreiche Tauben mit solchen Verletzungen wurden schon gefangen und eingeschläfert. Nur wenige können gerettet werden. Vertreiben lassen sich die Tiere dadurch nicht: „Als Felsentauben werden sie immer Gebäude anfliegen und nutzen, denn so viele Felsen gibt in Göttingen und Umgebung halt nicht...“
Deshalb soll jetzt in der Innenstadt ein ähnliches Projekt wie am Klinikum gestartet werden. Aber dafür braucht der NABU einen Haus- oder Grundstücksbesitzer, der einen Dachboden zur Verfügung stellt oder ein Grundstück, auf dem ein Taubenwagen aufgestellt werden kann. Neugebauer: „Wir brauchen nur den Platz, um alles andere wird sich der NABU kümmern, inklusive der Säuberung!“
Also: Wer bei der Bekämpfung des Taubenproblems helfen möchte, meldet sich unter Telefon 0551 / 7 70 63 26, wo es auch alle weiteren Infos gibt.


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