Freitag, 30. Juli 2010

- letzte Aktualisierung: 30.07.2010 um 02:21 Uhr


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Stadthalle könnte im Herbst zum Impfzentrum werden

Vollimpfung steht vor der Tür!

Foto: irisblende.de

Foto: irisblende.de

Es könnte ein düsterer Herbst nicht nur in Südniedersachsen werden. Sollten die Urlauber die so genannte Schweingrippe oder auch Neue Influenza aus den Urlaubsorten nach Hause mitbringen, wird sie die Region fest im Griff haben. Dafür sind erste Vorbereitungen getroffen worden. Die Stadt Göttingen und das Gesundheitsamt arbeiten daran, in großem Maßstab Impfungen durchzuführen. Ort des Geschehens könnte die gute alte Stadthalle werden.

(Göttingen / bb) Wenn die Befürchtungen der Experten zutreffen, kann es im Herbst massive Einschränkungen geben. Keine Großveranstaltungen dürften dann mehr durchgeführt werden und Sicherheitsmaßnahmen in allen öffentlichen Gebäuden würden getroffen. Ob dann noch Unterricht in den Schulen oder der Universität stattfinden könnte, ist höchst fraglich. In Niedersachsen gibt es (Stand 15. Juli, 8.00 Uhr) bisher 96 laborbestätigte Fälle von Schweingrippe. Auch Ansteckungen innerhalb von Deutschland sind vermeldet worden.
In der Stadt Göttingen werden erste Vorbereitungen getroffen. „Vorbereitung der Logistik für die Impfstoffversorgung der Bevölkerung“, heißt das in einem Behördenpapier. Das wurde bereits vom Niedersächsischen Ministerium für Soziales, Frauen, Familie und Gesundheit angeordnet – und betrifft das gesamte Land. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat inzwischen die Phase 6, das heißt die höchste pandemische Warnphase, ausgerufen und damit formal den Pandemiefall festgestellt. Auch wenn das Infektionsgeschehen in Deutschland nicht dem einer akuten Pandemie entspreche, müsse mit weiteren Erkrankungen gerechnet werden. Ziel sei es, die Krankheitswelle zu verzögern und in der Stärke abzumildern. So lange dies durch Maßnahmen der Fallfindung und Isolierung von Kontaktfällen möglich ist, heißt es in dem Schreiben, das an alle Landkreise, kreisfreien Städte, die Region Hannover und die Stadt Göttingen vom Niedersächsischen Ministerium für Soziales, Frauen, Familie und Gesundheit verschickt worden ist.
Zu den Vorkehrungen gehört die Vorbereitung für eine Schutzimpfung der Gesamtbevölkerung mit einem spezifischen Pandemie-Impfstoff – unter Einbeziehung der niedergelassenen Ärzte, der Betriebsärzte und des öffentlichen Gesundheitsdienstes. Vor einer zu befürchtenden Erkrankungswelle im Winter sollen die Impfstoffe zur Verfügung stehen. In Niedersachsen könnten wöchentlich 1,4 Millionen Dosen „verimpft“ werden, so dass die gesamte Bevölkerung in etwa sechs Wochen einmal geimpft werden könnte. Im Anschluss daran folge eine zweite Impfung – ebenfalls innerhalb von sechs Wochen. Eine flächendeckende Impfung für Göttingen ist also in Vorbereitung.
Die Planungen laufen auf Hochtouren. Das Impfzentrum in Göttingen soll die Stadthalle werden, denn nur hier gibt es entsprechende Kühlmöglichkeiten für das Impf-Serum. „Die Arbeit des Gesundheitsamtes, das für Stadt und Landkreis Göttingen zuständig ist, erfolgt im Rahmen des Pandemieplanes des Landes Niedersachsen und hier konkret nach den Vorgaben des Infektionsschutzgesetzes. Es geht um die Ermittlung von Erkrankten und Kontaktpersonen und ihre Beratung. Das ist die Aufgabe, die kontinuierlich wahrgenommen wird“, so Stadsprecher Detlef Johannson. „
Das Gesundheitsamt wird für die Koordination der geplanten Impfaktion, die auf etwa sechs Wochen angelegt sein könnte, und zunächst für die Verteilung der Impfdosen zuständig sein“, bestätigt Johannson. „Impfen sollen, nach der Impfstrategie des Landes Niedersachsen, vorrangig aber die niedergelassenen Ärzte und Betriebsärzte, nachrangig der öffentliche Gesundheitsdienst, also das Gesundheitsamt. Ob nach dieser Strategie am Ende ein großes Impfzentrum gebraucht wird und ob das dann die Stadthalle sein wird, kann ich zur Zeit noch nicht sagen.“
Aber: „Vorsorglich werden natürlich Überlegungen angestellt und Vorbereitungen getroffen. In diesem Zusammenhang spielt die Stadthalle wegen ihrer Lage – auch in unmittelbarer Nachbarschaft zur Zentrale des Gesundheitsamtes – und wegen ihrer Raumkapazitäten eine Rolle. Entschieden ist da aber noch nichts“, so Johannson. „Die Frage nach der Zukunft öffentlicher Veranstaltungen lässt sich in veranwortlicher Weise und ohne Panikmache nicht beantworten. Nur so viel: Die Neue Influenza zeigt bislang äußerst milde Verläufe. Die Impfaktion soll und wird Wirkung zeigen. Sollte es dennoch zu einer massiven Veränderung beim Verlauf und bei der Fallzahl kommen, dann wird es mit Sicherheit keine Insellösung für Göttingen geben, sondern mindestens landesweite Vorgaben, was öffentliche Veranstaltungen betrifft“, so Johannson.
Und wer soll’s bezahlen? „Hier ist das Land noch in Gesprächen, zum Beispiel mit den gesetzlichen Krankenkassen“, so Detlef Johannson.

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