Mittwoch, 08. September 2010

- letzte Aktualisierung: 08.09.2010 um 02:21 Uhr


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Basketball: BG Göttingen verpasst das Halbfinale

Eine Sekunde zwischen
Himmel und Hölle

Chris Oliver wollte nichts mehr hören und sehen, im Hintergrund trauert Taylor Rochestie. Foto: Reinhard

Chris Oliver wollte nichts mehr hören und sehen, im Hintergrund trauert Taylor Rochestie. Foto: Reinhard

So brutal kann Basketball sein! Da hatte sich die BG Göttingen in fünf harten Play-Off-Spielen mit den Eisbären Bremerhaven einen Kampf auf Biegen und Brechen geliefert, 200 Minuten intensiver Play Off-Fight pur, und am Ende lagen 1,2 Sekunden zwischen Himmel und Hölle, zwischen siegen und fliegen. Mit einer 78:79 (41:40)-Niederlage vor der Rekordkulisse von 3900 Zuschauern in der Göttinger Lokhalle ist der Traum vom Halbfinale für die Veilchen in letzter Sekunde wie eine Seifenblase zerplatzt. BG-Headcoach John Patrick: „37 Minuten haben wir unsere Strategie umgesetzt und das gespielt, was wir spielen können. In den letzten drei Minuten hat Bremerhaven sehr intensiv verteidigt und wir haben unsere Coolness verloren. Es tut weh. Trotzdem war es eine großartige Saison. Einige Experten haben uns sogar als Absteiger gesehen, aber wir haben gezeigt, dass wir eine absolute Top-Mannschaft sind.“

(Göttingen / luco) Zuvor hatten die 3900 Fans eine Atmosphäre in der heimischen Lokhölle erzeugt, wie man sie dort noch nie erleben konnte. Sie peitschten ihre Veilchen nach vorn, standen 40 Minuten wie eine Wand hinter ihrem Team. Um 22.24 Uhr herrschte schlagartig Totenstille in der Lokhalle, Sprachlosigkeit, Entsetzen, Trauer und Tränen beherrschten die Szenerie. Eisbär Andrew Drevo hatte mit seinem Sieg bringenden Korbleger einen unglaublichen Basketball-Krimi zugunsten der Eisbären entschieden, die knapp vier Minuten vorher noch mit zehn Punkten zurück gelegen hatten.
Von einer Sekunde zur anderen war damit für die Veilchen plötzlich auch die Saison beendet, alle Planungen für die Play Off-Spiele in den kommenden Tagen gegen Frankfurt konnten bei den Verantwortlichen, Trainern, Spielern und Fans begraben werden.
Basketball paradox, den Meister spielen jetzt die vier Teams aus, die nach der Hauptrunde die Plätze 5 bis 8 belegt hatten. Kleiner Trost: mit den gescheiterten Teams aus Oldenburg, Berlin und Bonn befindet sich die BG in bester Gesellschaft.

Erst nach und nach kamen die gescheiterten Eurohelden aus der Kabine, in den Gesichtern war abzulesen, dass sie immer noch nicht fassen konnten, was da gerade passiert war. Taylor Rochestie schlurfte in Sandalen zum Buffet, rot umränderte Augen und den Kopfhörer im Ohr, so, als wolle er nichts mehr hören und sehen. John Little humpelte hinterher – ja, diese Saison hat ihre Spuren hinterlassen, sich ein Lächeln abzuringen fiel ihm schwer. Wenige Meter weiter Christopher Mc­Naughton mit dem Bier in der Hand, Fragen nach dem „Wa­rum?“ konnte auch er nicht beantworten. Dass Moderator Uli Frank ihn als „nächsten Nationalspieler der BG“ bezeichnete und an seine Galavorstellung im EuroChallenge-Finale erinnerte, war da auch kein Trost.

Und nun? Wie geht es weiter? Nachdem gleich nebenan einiges Wasser die Leine hinunter geflossen war, richteten noch am gleichen Abend viele den Blick schon in die Zukunft. Und da steht die Vertragsverlängerung von Coach Patrick an erster Stelle, mit dieser Personalie steht und fällt das Projekt Erstliga-Basketball in Göttingen. „John Patrick ist und bleibt die wichtigste Personalie. Wir werden uns umgehend zusammensetzen und ich hoffe, dass wir so schnell wie möglich zu einem positiven Ergebnis kommen. Das wäre wichtig für alle Göttinger“, hofft starting five-Gesellschafter Uli Frank auf ein Ergebnis in den kommenden ein oder zwei Wochen. Ansonsten halten sich alle Protagonisten weiterhin bedeckt, egal ob Geschäftsführer Marc Franz oder Patrick selbst. Auch wenn der Coach keinen Hehl daraus macht, gerne in Göttingen weiterarbeiten zu wollen.
Warum sich die Vertragsverlängerung so lange hinzieht, da­rüber lässt sich nur spekulieren. Natürlich ist Patrick ein erfolgsorientierter Coach, der hohe Ziele verfolgt. Um diese zu erreichen, bedarf es allerdings einer weiteren Professionalisierung der Strukturen und natürlich auch eines höheren Etats. „Natürlich wollen wir uns Schritt für Schritt weiterentwickeln. Wir können den Etat halten und sind auf einem guten Weg“, versprüht Frank vorsichtigen Optimismus.
Bis Ende Juni muss die starting five der BBL 80 Prozent der Sponsorenverträge unterschrieben vorlegen: „Ich denke, das kriegen wir hin“, so Frank. Die Mannschaft trifft sich noch einmal am Sonntag, ehe im Laufe der Woche die meisten Spieler zurück in ihre Heimat USA fliegen. Damit die Göttinger Fans wenigstens einige von ihnen wiedersehen, wäre es gut, wenn Management und Trainer möglichst schnell auf einen gemeinsamen Nenner kommen...

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